Wenn die Waschmaschine anruft

DVB-T

Die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht: Mit einem symbolischen Druck auf einen roten Knopf startete der damalige Vizekanzler Willy Brandt auf der Ifa das Farbfernsehen in Deutschland.

Seitdem hat die Ifa viel erlebt. Und wir mit ihr. Die Fernbedienung, den CD-Player, den Bildschirmtext BTX oder den MP3-Player. Viele Innovationen wurden zuerst auf der Ifa vorgestellt.

Ifa nennt sich die Messe inzwischen, weil der alte Name Funkausstellung nicht mehr passt. Denn längst geht es auf der Internationalen Funkausstellung nicht mehr nur um Rundfunk, Fernsehen oder Unterhaltungselektronik im Allgemeinen. Heute stehen „Intelligenz“ und „Vernetzung von Technik“ im Fokus. Unter andererem auch die „Weiße Ware mit WLAN“. Konsumenten können alle Geräte bedienen, ohne sich selber im Haus befinden zu müssen – also beispielsweise Waschmaschine, Kühlschrank oder Staubsauger.

Wenn die Wäsche fertig ist, ruft Sie die Samsung WF-12F9E6P4W auf Ihrem Smartphone an. Sie stehen im Supermarkt und wissen nicht, was genau im Kühlschrank fehlt? Rufen Sie doch einfach die Bilder der im Kühlschrank eingebauten Kamera ab. Einen solchen Kühlschrank stellt Siemens zwar nur als Prototypen vor, aber seien Sie versichert: Das wird kommen.

Das Internet der Dinge

Ziemlich unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit haben die großen Web-Konzerne im vergangenen Jahr auf das Internet-Protokoll Version 6 (IPv6) umgestellt, das die Zahl der verfügbaren Web-Adressen von 4,3 Milliarden auf 340 Sextillionen erhöht hat. Das hat nicht nur zur Folge, dass nun jede Menge neue Webadressen zur Verfügung stehen. [Quelle]

»Jetzt können nicht nur Computer und Handys, sondern auch Autos, Maschinen, Transportcontainer, Kleidungsstücke oder gar Pizzaschachteln im „Internet der Dinge“ mit einer eigenen Web-Adresse ausgestattet werden.« hieß es damals im Focus. »Im Jahr 2020 werden 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein«, prophezeite Hans Vestberg, Vorstandschef des weltgrößten Telekommunikationsausrüsters Ericsson. Betrachtet man die Entwicklung heute, könnte es damit wesentlich rascher vorwärts gehen.

Samsung ist einer der Hersteller, die das Thema seit Jahren vorantreiben. Mittlerweile haben die Südkoreaner verschiedene Haushaltsgeräte im Repertoire, die mit dem Internet verbunden, das tägliche Leben erleichtern sollen.

Auch Miele setzt auf „Smart Wash“

Aber nicht nur Samsung setzt auf „Smarte Weiße Ware“. Auf der Ifa ist eine Waschmaschine von Miele zu sehen, der Wesentliches zu fehlen scheint. Das Modell mutet futuristisch an, ja geradezu revolutionär. Wo üblicherweise Drehwahlschalter, Tasten und Display sitzen, zieren nur die Konturen des Waschmittel-Einspülkastens und ein dezenter Ein-/Ausschalter die weiße Front – ein minimalistisches Design, bei dem letztlich nur noch das charakteristische Bullauge darauf hindeutet, dass es wohl doch um Wäschewaschen geht.

Bedient wird die Waschmaschine über ein Smartphone: Programmwahl, Temperatur­einstellung, Schleuderdrehzahl, Zusatzfunktionen – alles auf dem Touch-Display einstellbar, übersichtlich und einfach, wie Smartphone-Nutzer es von einer guten App gewohnt sind. Ob aus der Studie einmal ein serienreifes Produkt hervorgeht und welche Anwendungen dann möglich sein werden, darüber entscheidet nicht zuletzt das Votum von Händlern und Endkunden.

Links zum Thema:

SmartHome steuert jetzt auch Waschmaschine von Miele
Wenn die Waschmaschine anruft#
Smarte Technik, smarte Politik
Das bisschen Haushalt macht mein Mann allein

Bild: SV-Tolksdorf